HANNES BÖHRINGER

grab mal

1979 in Berlin West

gelenkig

 

 

„Alles vergessen, was wir am Grabmal noch massiv hatten.“

(Fritz Schwegler EN 9924)

 

Alles

                            Das fängt gut an! Am Anfang ein großes A, offenes Maul. Mit dem Staunen geht es los, mit dem Vergessen von allem, was selbstverständlich war, gewußt und gewohnt. Dann schnellt die Zunge das ganze Wort heraus: alles. Nimmt es nicht den Mund etwas voll? Wirklich alles, das Ganze als riesigen Haufen? Alles etwas übertrieben. Später wird es eingeschränkt. Alles halb so wild.

 

vergessen

                      Nach der Zunge die Zähne, nach dem doppelten L das Doppeless und ein tückischer Infinitiv, der da so unbestimmt und scheinbar harmlos herumliegt, bei genauerem Hinhören jedoch imperativ ist. Der Befehl klingt darum nicht so schrill wie „vergisses!“. Wie kann ich vergessen, woran ich gerade erst erinnert werde? Wenn zu vergessen so leicht wäre wie aufzuessen, was auf dem Teller ist!

 

was 

                              Alles bewegt sich noch zwischen a und e, „alles vergessen“ und „was“. Träge liegt das Vergessen zwischen „alles“ und „was“. Was? Alles vergessen? Auch das Vergessen vergessen? Dann kann ich liegen und alles beim Alten bleiben. Das Was soll hier aber kein Ausruf und keine Frage sein, sondern die Einschränkung von „alles“: alles, was. Aber was denn? Das kommt dem Was nicht über die Lippen. Was ist so unbestimmt wie alles und vergessen. Ah: Ist das Vergessen vielleicht so etwas wie aufessen: in den Mund hinein und später hinten raus?

 

wir  

                              Endlich ein neuer Vokal, wenn sich schon der Anfangskonsonant wiederholt! Ein spitzes I, umgekehrtes Ausrufungszeichen. Wer oder was sind wir? Ich bin ich. Jemand faßt mich am Arm und zieht mich in eine Menge und sagt: wir. Das mag ich eigentlich gar nicht. Wir Künstler? Bin ich nicht. Von jeder Gemeinschaft kann ich mich aber auch nicht ausschließen. Welches Wir kann ich ertragen? Die das Maul aufreißen, gleich als erstes „alles“ sagen und dann alles wieder einschränken müssen. Wir Angeber. Nimmt man unsere wichtigen Angaben noch ernst?

 

am 

                                Immer noch alles unbestimmt. Wie lange läßt der Sinn noch auf sich warten? Kommt er überhaupt einmal? „Wir am“: ja wo und wann denn? Wie komisch werden einsilbige Präpositionen, wenn sie von ihren Substantiven entblößt einfach für sich sein müssen! Am, im, um: hm.

 

Grabmal 

                       Da ist das Haupt- und Dingwort, das einzige Substantiv im Satz und gleich schwergewichtig. Das Grabmal: ein Mal, aus dem Kunst, Kultur und Gemeinschaft hergeleitet werden, der Totenkult als Ursprung von Kultur, das Grab, der Totenhügel der  Helden und Könige, um das ein Volk sich versammelt, „wir am Grabmal“. Was ist darunter begraben? Was haben wir begraben und vergessen? Sind wir es überhaupt gewesen, die das Grab ausgehoben haben? Das Mal ist ein Makel, ein Schmutzfleck. War der Held ein Versager? Wir müssen den Fleck reinigen. Die Stelle  bleibt immer noch sichtbar, vom Reiben etwas heller als seine Umgebung. Das Mal ist ein Fleck, ein Flecken, eine unbestimmte, auffällige Stelle. Was verbirgt sich darunter? Das Grab ist leer, längst geplündert, von anderen Leichen belegt, von anderen Mächten beansprucht. Was bedeutet das Mal? Unbestimmt ist es wie „alles“ und „was“, nur irgendwie hervorgehoben, ein Merk-, Denk-, und Erinnerungsmal. Woran erinnert es mich? Ich erinnere mich nicht mehr, alles vergessen. Wir müssen auf das Mal ein Zeichen, Wahrzeichen, setzen, das bezeichnet, was darunter verborgen sein könnte. So kommt die Kunst ins Spiel und schleicht sich ein in die Gemeinschaft: Zeichen setzend, erfindend, vortäuschend, zeichnend und die Zeichen wieder übermalend, damit es weitergehen kann mit anderen, neuen Zeichen. So werden große Steine aufgerichtet, Gedenksteine, Grabsteine, Monumente, Türme, Skulpturen. Um das Mal tummelt sich die bildende Kunst: Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und die Architektur. Kunst ist „alles ... was“, universal und unbestimmt, sich selbst bestimmend und ausmalend. Ausgezeichnet!

 

noch 

                             Das stimmt und gilt immer noch. Aber noch sind wir nicht am Ende. Noch haben wir nicht alles angegeben.

massiv                           Es kommen noch die Töpferei und Bäckerei hinzu. Denn „massiv“ kommt von Masse. Und die geht etymologisch auf griechisch maza zurück: Teig, der geknetet, geformt und im Ofen gebrannt wird. Massen von Menschen strömen inzwischen zur Kunst, bevölkern die Museen, sammeln sich um die Mäler der Kunst. Sie selbst wird massenhaft. Museen, Ausstellungen überall. Woher kommen all die Künstler? Wohin mit den Mengen Kunstwerken? Der Betrieb ist massiv geworden: ökonomisch von Gewicht und mit einem Mal ein Teig, der quillt, ein Brei, der überkocht. Das alles sollen wir kauen, schlucken, verdauen und vergessen, damit wir wieder Hunger für das nächste Mahl haben für neues Back- und Kunstwerk.

 

hatten 

                           Am Ende wieder a und e. Nichts, woran man sich festhalten könnte. Wir haben nichts, wir „hatten“ etwas. Am Ende ist alles vergangen. Warum dann vergessen, was sowieso schon vergangen und vorbei ist? Weil es als Vergangenes immer noch massiv da ist. Das schwere Zeug liegt überall „noch“ herum. Die Kunst wird von ihrer eigenen Masse erschlagen und unter sich begraben. Zuviel Gewicht von großgeschriebenen Namen, Kommentaren zum Weltgeschehen, allgemeinem Tiefsinn und schierer Menge. Der Spruch von Fritz Schwegler ist selbst eine Grabplatte über der Kunst, aber so fein und leicht wie ein Blatt, das vom Baum fällt. Kunst ist es, die tote, schwere Masse von Material und Bedeutung zu überlisten, um mühelos, leicht, spielerisch und witzig zu werden, um so dem Ernst überhaupt erst das angemessene Gewicht zu verleihen. Ernst: Tod, Elend, Leiden muß in der Tiefe und nicht oben auf liegen, damit uns (wen?) die Kunst ergreifen, trösten, begeistern, erheitern, zum Leben verführen, uns klüger und alles vergessen machen kann, was wir vorher hatten. Uns Angebern bleibt der Mund offen stehen: Kunst nach dem Ende der Kunst; die Kunst, die über sich hinausgeht, die sich selbst vergißt, kunstlose Kunst. Was?

 

Als wir im Herbst aus dem milden Rheinland nach Berlin zogen, erschreckte uns der schneidende Ostwind. Die ersten Winter in Berlin waren sehr hart. Sie zogen sich hin in den April, übersprangen den Frühling, und plötzlich war der Sommer da.

Ich hatte eine Assistentenstelle am philosophischen Institut der Freien Universität angeboten bekommen. Deshalb zogen wir nach Berlin, nicht weil wir im Niemandsland zwischen Ost und West nach einem dritten Weg zur Rettung der Welt suchten. Die Studentenrevolte war ausgebrannt. Das philosophische Institut, das als Herd der Unruhen galt, sollte neu besetzt werden. Ich war einer der Neuen.

Vorher hatte ich an der Kunstakademie in Düsseldorf unterricht und dabei mitbekommen, was die zeitgenössische Kunst sei. Sie kam aus dem Westen, vor allem aus Amerika. Das Rheinland zeigte diese Kunst als erstes. In Westberlin herrschten noch die Tradition des deutschen Expressionismus und ein figürlicher, oft anklagender Realismus. Mir kam diese Kunst ziemlich provinziell vor. Die Wissenschaft an der Universität war internationaler. Doch es gab das Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Das lockte aus allen Teilen der Erde Künstler mit guten Stipendien nach Westberlin. Dieses Künstlerprogramm strahlte nicht stark auf die Stadt aus, blieb eine kleine in sich geschlossene Gesellschaft, aber war damals ein Lichtblick für uns. Hier fanden wir Freunde.

Viel Geld aus der Bundesrepublik Deutschland hielt Westberlin am Leben. Die Gehälter, die Unternehmen, die Kultur, alles wurde subventioniert. Der Mauerbau hatte Westberlin entvölkert. Die Straßen waren leer, freie Parkplätze am Kurfürstendamm. Mir schien der Sinn für die harte Realität verloren gegangen zu sein. Aber man gewöhnt sich an diesen Zustand. Wir genossen die Abwesenheit vom Kunstmarkt, wie er wir ihn im Rheinland erlebt hatten, die Freiheit der Künste in der eingemauerten Stadt, die Freiheit zum Experiment.

Da ich von einer Kunsthochschule kam, bat man mich am philosophischen Institut, Lehrveranstaltungen zur Ästhetik der modernen und zeitgenössischen Kunst anzubieten als Alternative zu einer kunstfernen, abstrakt philosophischen Ästhetik. Ich versuchte, aus dem Selbstverständnis, den Reflexionen der Kunst selbst eine Kunstlehre, eine Poetik, zu entwickeln. Es kamen viele Studenten der Kunstgeschichte in meine Veranstaltungen. Sie vermißten Angebote in ihrem eigenen Fach zur aktuellen zeitgenössischen Kunst. Von heute aus gesehen nichts Besonderes, womit ich mich damals beschäftigte: fluxus, concept art, minimal art, art brute, land art, pop art. Ich hatte damals das Gefühl: ich weiß Bescheid. Heute kenne ich kaum noch die Namen von den Künstlern, die gerade jetzt diskutiert werden.

Als ich in Berlin zu lehren begann, lockerten sich die Sitten in der Kunstgeschichte. Früher hatte sie oft fünfzig Jahre vor der Gegenwart aufgehört und die Gegenwart den Kunstkritikern überlassen. Inzwischen ist das Verhältnis zur Geschichte fast auf den Kopf gestellt. Die letzten fünfzig Jahre interessieren mehr als die zweieinhalb tausend Jahre davor. Ausstellungen zeitgenössischer Kunst ziehen mehr Leute an als eine Barockausstellung. Mittlerweile habe ich Verständnis für die Zurückhaltung gegenüber dem Treiben der Gegenwart. Die Bedeutung der Geschichte wird unterschätzt. Die Urteilskraft leidet unter dem Druck des Geldes. Nicht nur in diesem Fall der aktuellen Kunst hatte ich gedacht, in einer vernünftigen Sache voranzugehen, und vollzog nur einen Umschwung, der in der Luft lag. Die weitreichenden Folgen des Gutgemeinten werden erst später sichtbar.

Westberlin war am Ende der 1970er Jahre nicht so provinziell, wie es mir anfangs schien. Ähnlich wie in Köln und in Hamburg entstand auch in Berlin als Antwort auf die akademisch gewordenen Konzeptkunst und minimal art eine „Wilde Malerei“, in Köln und Hamburg witzig, konzeptuell, in Berlin eher dekorativ expressionistisch an der pop art orientiert. „Die jungen Wilden“ sprachen ein breiteres Publikum an. Neue Käuferschichten wurden erschlossen. Der Popstar wurde ein Vorbild in der Malerei. Es kündigte sich das heutige große Geschäft mit der zeitgenössischen Kunst an, eine historische Gewichtsverlagerung auf die Gegenwart. Wer zur feinen Gesellschaft gehören will, lebt nicht mehr in alten Möbeln, sondern mit zeitgenössischer Kunst in modernem Design.

Die aktuelle Kunst ist für die Gesellschaft nichts Besonderes mehr, kein entlegener Ort für einige Wenige. Die Intellektuellen wenden sich von der Kunst ab und den neuen Medien, der neuen Technologie zu. Die der Romantik nicht unähnliche Epoche der modernen Kunst, der einander zugeneigten Kunst und Philosophie, ist vorbei. Die Kunst hat an intellektuellem Prestige eingebüßt. Dabei ist sie keineswegs schlechter geworden. Aber schwieriger geworden ist es, in der Menge der ausgestellten Kunstwerke, im dichten Gedränge von Schaulustigen, Spekulanten, Käufern und Verkäufern das einzelne Kunstwerk zu entdecken, das mich anspricht. Trends und Theorien verlieren in meinen Augen an Bedeutung. Was zählt, ist der Einzelne und das Einzelne.

Zehn Jahre nach unserem Umzug vom Rheinland nach Westberlin brach die Berliner Mauer. Großes Glück. Westdeutsche nahmen die Geschäfte in Ostdeutschland, aber auch in Westberlin in die Hand. Ich erinnerte mich meiner eigenen Überheblichkeit, als ich nach Westberlin kam und die ultimative Kunst zu kennen glaubte. Hat sie gehalten, was sie mir damals versprach?

 

 

 

Winkel. In den Ecken sammelt sich allerhand an. In den Ecken laufen zwei Ränder zusammen. Ränder, unscharf, werden nicht so beachtet wie die Mitte. Auch an den Rändern bleibt vieles liegen, erst recht in den Ecken. Die Ecken sind schwer zu säubern. Der Besen kommt nicht in sie hinein. Der Dreck wird eher in sie hinein- als herausgekehrt. In den Ecken landet all das, was sonst nirgendwo seinen Platz findet. In den Ecken fällt die Unordnung nicht auf. Vom offenen Feld vertrieben verzieht sich das Durcheinander in die Ecken.

In den Ecken und Winkeln kann man sich gut verstecken, geschützt von mindestens zwei Seiten, nicht exponiert im offenen Raum. Im Winkel läßt sich gut leben, in der Provinz, entfernt vom Zentrum der Macht. Aber es ist eng hier, der Horizont beschränkt. Es ist eng, aber gemütlich. Winkel kann man gut heizen, aber es fehlt die frische Luft. Die Winkel stauben ein. Die Beweglichkeit leidet. Überall Schrägen und Kanten. Der Kopf stößt an. Die Winkel sind spitz und schmerzhaft, wenn man in ihnen nicht still hält. Die Ecken und Kanten müßten abgerundet werden. Aber in einer Runde gibt es keine stillen Winkel mehr.

Gerade. Alles ist schief und krumm. Nichts ist richtig gerade, und wenn doch, geht es geradewegs daneben, am Ziel vorbei. Es ist gerade, aber schräg. Gerade heißt aufrecht, richtig, nicht schief, erst recht nicht krumm. Doch nichts stimmt, nichts ist bei näherem Hinsehen gerade und genau. Alles läuft schief. Nichts kommt wie geplant. Darum muß alles zurechtgebogen werden, damit es gerade noch hinkommt. So aber kommt man aus dem Zurechtbiegen und Berichtigen nicht mehr heraus. Denn was krumm und schief ist, wird niemals richtig gerade. Es muß ständig korrigiert werden.

Das Gerade und Richtige ist ein Wunschbild, eine Ausnahme in der Wirklichkeit. Manchmal, selten glückt es, daß alles paßt. Darum ist das Gerade, das Richtige und Perfekte, eigentlich nichts für die Menschen. Darum bewundern sie es. Menschen machen Fehler, versuchen sie gut zu machen und machen andere Fehler. Sie können nicht geradewegs das Richtige tun. Sie müssen Umwege gehen, Scharten auswetzen, Hindernissen ausweichen. Hindernisse umkurvend verlieren sie die Richtung und müssen krumme Wege einschlagen oder Winkelzüge machen, um doch noch ans Ziel zu gelangen. Da alles, wenn auch anfangs meist unmerklich, krumm ist und schief läuft, versucht man am Ende oft mit Gewalt, das Richtige durchzusetzen. Doch das Richtige ist strittig, und die Gewalt verbiegt das Gerade.

Gelenk: Gerade und Ecken sind starr. Die Gerade kann einem Hindernis nicht ausweichen. Sie muß es durchschlagen und kommt an kein Ende. Das Gerade kann sich nie mit dem Krummen abfinden. Die Ecke ist passiv, das Ergebnis von zwei Seiten, die aufeinander stoßen. Wenn der Winkel beweglich würde, könnte er Unordnung und Staub abschütteln und schlank werden. Der bewegliche Winkel könnte die Gerade vor dem Zusammenstoß mit einem Hindernis bewahren.

Die sichtbare Welt ist voll von Dingen, lebendigen und leblosen. Sie alle haben Teile. Manche Teile von Lebewesen heißen Glieder, Gliedmaßen. Im Vergleich mit anderen Teilen sind sie ziemlich selbständig. Glieder können sich bewegen, weil sie mit dem Körper durch ein Gelenk verbunden sind. Der Körper kann auch eine Gemeinschaft sein. Ihre Mitglieder sind nicht lose, sondern über ein unsichtbares Gelenk mit dem Ganzen verbunden: Familie, Gemeinde, Verein.

Das Gelenk bindet an einen Körper und ermöglicht in dieser Bindung zugleich Beweglichkeit, Selbständigkeit, Freiheit. Die starre Hierarchie von Teil und Ganzem ist gelockert. Das Ganze wird Gemeinschaft. Das Gelenk ist fest und locker und ermöglicht dem Ganzen, locker und fest zu sein. Freiheit festigt. Bindung und Freiheit miteinander zu verbinden ist ein Kunststück. Im Lateinischen ist Gelenk (artus) sprachverwandt mit Kunst (ars). Die moderne Kunst hat aus Teilen Glieder gemacht. Sie hat Farben, Striche, Linien aus einer gegenständlichen Komposition und die Konstruktion vom Dekor befreit. Die steifen Winkel werden gelenkig, die Ruhe beweglich. Die Hierarchie der Teile löst sich auf. Sie werden Glieder einer Gemeinschaft. Das ist Politik: aktive Teilhabe, Mitgliedschaft

Die Kunst kann sich beschränken, zum Beispiel auf Gerade und Winkel. Indem die Winkel gelenkig werden, faltet sich die Zeichnung räumlich auf und wird mehrdeutig: Was ist Figur, was ist Grund, was Körper, was Raum, wo ist oben, wo unten. Die Linien und Winkel rufen geometrische wie stereometrische Figuren hervor. Die Aufmerksamkeit zirkuliert über die Linien und findet keinen Anfang und kein Ende. Sie haben sich zusammengeschlossen. Die Gelenke emanzipieren die Teile vom Ganzen. Bilden die Linien eine in sich gegliederte Gestalt, oder sind es mehrere? Keine ist eindeutig und in sich geschlossen. Ihre Räume durchdringen sich und schließen sich gegenseitig aus wie die Welten von Personen, die, je näher sie sich kommen, desto stärker auf ihre Fremdheit und Unerreichbarkeit stoßen.

Womöglich sind Natur und Geschichte, Technik, Kunst, Religion und Politik nichts anderes als unaufhörliche Versuche von Gelenkbildungen, locker-feste Verbindungen von Bindung und Freiheit, Teile zu Mitgliedern zu befördern, Versuche von Gliederungen, Entwicklungen mit Rückschlägen. Die hohe Kunst ist das Luftigste, Leichteste und Schwerste, ein Gelenk des Gegenständlichen zu einem Ich-weiß-nicht-was, etwas, das nicht zu wissen und zu fassen ist, fast nichts, gekonnt und doch geglückt, gerade richtig, eine Verbindung über die Kunst hinaus, die Freiheit, sie hinter sich zu lassen.

 

 

Ich bin ein Neanderthaler, in: Lettre International 109, 2015

Spott und Bewunderung, in: Merkur Juni 2014

Flecken, in: Harte Bank

 

Die Hyperbel, in: Moneten

Der Löffel, in: Notlösung

 

Das Geländer, in: Lettre International 102, 2013

Die Intonation der Orgel, in: Orgel und Container

Der Löffel, in: Notlösung

Weggehen, in: Enger Spielraum

Brauchen Wohnen Nehmen, in: Enger Spielraum

Packen, in: Harte Bank

Bauen, in: Enger Spielraum

Freispruch, in: Notlösung

 

Fallen, stürzen, in: Enger Spielraum

Unisono, in: Lettre International 24, 1994

Was ist Philosophie?

Im Bauch des hölzernen Pferdes, in: Moneten

 

Nichts Besonderes, in: Auf der Suche nach Einfachheit

Auf dem Rücken Amerikas

gleich gültig, in: Harte Bank

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